Alkohol und Schwangerschaft sowie Alkoholembryopathie
Alkohol in der Schwangerschaft ist die häufigste und bedeutsamste teratogene Noxe und eine der häufigsten nichtgenetischen Ursachen einer geistigen Retardierung bei Kindern. Um das Mehrfache häufiger als das typische Fehlbildungsmuster der Alkoholembryopathie als häufigste Form der geistigen Behinderung mit einer Prävalenz von 1:300 Neugeborenen, sind die Schwachformen einer alkoholtoxischen Encephalopathie und komplexe Hirnfunktionsstörungen, die sogenannten embryofetalen Alkoholeffekte. Bei ca. 800 000 Geburten pro Jahr in Deutschland bei einer Prävalenz von 1-2% alkoholkranker Frauen werden mindestens 8 000 Kinder von alkoholkranken Frauen geboren. Davon zeigen ca. 2 200 Neugeborene das Vollbild einer Alkoholembryopathie.
Alkohol und sein Abbauprodukt, das Azetaldehyd, wirken bei Embryo und Fötus direkt zytotoxisch, wachstumshemmend, teratogen, neurotoxisch und suchtfördernd. Für die Schwangerschaft ist bedeutsam, dass die meisten Mütter eine Aversion gegen Alkohol nicht entwickeln und unbe-dacht am Beginn der Schwangerschaft weitertrinken, wenn die Gefahr für das Kind in der Organogenese am größten ist. Bei einem täglichen Konsum von 29 g Alkohol in der Schwangerschaft wurde in großen Feldstudien eine Minderung des IQ (Intelligenzquotient) beim Kind um durchschnittlich sieben IQ-Punkte ermittelt. Es liegen verlässliche Daten vor, die zeigen, dass es Mütter gibt, die relativ wenig (50-100 g) Alkohol täglich getrunken hatten und dennoch schwerbetroffene Kinder gebaren; umgekehrt gibt es Mütter, die täglich exzessiv tranken (300-350 g) und Klinische Manifestation/Leitsymptome dennoch Kinder mit leichtem Schweregrad (bei Kindern mit Alkoholembryopathie einer Alkoholembryopathie oder Alkohol in%): effekten zur Welt brachten. Es erkranken nicht alle Kinder alkoholkranker Mütter an Alkoholembryopathie sondern lediglich 30-40%.
Die Langzeitentwicklung der Kinder ist ungünstiger als noch in den siebziger Jahren zu vermuten war. Die Intelligenz- minderung ist nicht reversibel; nahezu die Hälfte der Kinder besuchte Sonderschulen für Lern- und geistig Behinderte; kein Kind erreichte die Oberschulreife. Die Hyperaktivität mindert sich spontan im Laufe der Jahre. Überwiegend werden Berufe ohne höhere Qualifizierung ausgeübt. Nur 12% erreichten bisher Selbständigkeit in Familie und Lebensführung. Das Risiko einer stoffgebundenen Suchtentwicklung kann bei diesen Kindern auf mindestens 30% geschätzt werden.